Medien-Kasper

Wer zieht die Strippen, wer mimt den Kasper? In Web 2.0, Print, TV, Mobiles & Werbung. Wunderbare Medien-Welt…

Günter Wallraff als Call-Center Agent

Wallraff 2.0 – na endlich! Der Undercover-Reporter, der viele junge Menschen in den 80ern für den investigativen Journalismus begeisterte (uns auch!) hat wieder verdeckt recherchiert. Diesmal war er für das neue Zeit-Magazin Leben als Callcenter-Agent in Köln im Einsatz. In seiner Verkleidung ist er auf dem Cover zu sehen und in der Tat kaum zu erkennen. Lange war es still um Wallraff, der mit seinen Büchern „Industriereportagen“, „der Mann, der bei Bild Hans Esser war“ und „Ganz unten“ gleich mehrere Bestseller des modernen Journalismus schrieb. Zum letzten Mal hörte man von ihm, als er sich gegen Vorwürfe wehrte, er habe zu DDR-Zeiten für die Stasi gearbeitet.Nun war er wieder im Einsatz, gleich bei zwei Telefon-Drückerkolonnen, die mit telefonischer Belästigung viel Geld verdienen. Für CallOn vertickte Wallraff alias Michael G. so genannte Lotto-Systemscheine und Tippgemeinschaften.

Besonders übel: Viele Hartz-IV Empfänger müssen offensichtlich für Callcenter arbeiten, da ihnen sonst die finanzielle Unterstützung gekürzt wird.

Auf der Webseite der Firma CallOn klingt das ganz anders:

„Deutschlands Nr. 1 im Call Center Outboundbereich ist die erste Adresse für alle, die einen sicheren Arbeitsplatz suchen oder über flexible Arbeitszeiten einfach den Sprung in die Arbeitswelt schaffen möchten. Wir bieten Ihnen eine interessante Beschäftigung mit vielen Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten. Mehr Geld. Mehr Freizeit. Mehr Zufriedenheit. „

Die Realität, wie Wallraff sie eindrucksvoll beschreibt, sieht ganz anders aus: Da werden die Arbeitnehmer und Angerufenen belogen und genötigt und es wird Druck ausgeübt, um zweifelhafte Produkte (Gewinnspiellose und Gesetzestexte) an den Mann zu bringen.

Wallraffs Report zeigt auch, dass Belästigungen am Telefon im Auftrag von bekannten Firmen nicht nur für die Angerufenen eine Qual sind (siehe hier)
Vor einigen Wochen hatte Tina Kaiser in der Welt am Sonntag ebenfalls verdeckt über Call-Center berichtet. Ich hoffe, es gibt über dieses Thema noch viele Artikel. So lang, bis die telefonischen Drückerkolonnen endlich den Hörer auflegen.

Schreiben Sie uns bitte Ihre Erlebnisse mit Call-Centern. Wir veröffentlichen die besten Beiträge auf Medienkasper.de.

(am 30.05.07: Links hinzugefügt)

Schwimmen Sie durch den Atlantik… Danke für den Tipp, Google!

Googles Motto lautet ja „Don’t bei evil“ – „Tu nichts böses“. Wenn’s nach den Mitbewerbern geht, weichen die Jungs aus Mountain View, Kalifornien, zurzeit ein wenig von ihrem selbst auferlegten Leitspruch ab. Durch den unbändigen Expansionswillen haben die Microsofts, Yahoos und AltaVistas dieser Welt wenig zu lachen: Google zieht an ihnen vorbei, wie ein ICE an einer Pferdekutsche.

Hinter all den – neuen, ausgeweiteten, spektakulären, sinnvollen oder sinnfreien, etc. – Funktionen stehen viele viele zusammengeschaltete Server – die ohne Gehirnschmalz gewiefter Programmierer jedoch gar nicht laufen würden. Und bei all den Millionen Hunderttausenden, die diese Tecchies für ihre Arbeit kassieren und dem unglaublichen Druck, dem sie ausgesetzt sind, haben sie ihren Humor erstaunlicherweise nicht verloren.

Das zeigen schon die beiden folgenden Beispiele, über die ich kürzlich gestolpert bin – wenn ihr weitere findet, schickt sie doch bitte per E-Mail an den Medien-Kasper! Wir möchten die skurrilsten Fehlermeldungen, Bilder, etc. aus dem Hause Google für euch und eure Nachkommen festhalten.

Schwimmen wir halt mal durch den Atlantik…

Dass Hamburg und New York nicht gerade nebeneinander liegen, ist allgemein bekannt. Die Altenative zum Flieger – der ja auch einige Stunden unterwegs ist – ist allerdings nur was für Ausdauerathleten. Zumindest, wenn wir der Google-Maps-Route folgen:

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Na klar! Das galaktische Recht…

Wer versucht, per Opera-Browser Google Text & Tabellen zu benutzen, sieht sich ungeahnten Schwierigkeiten ausgesetzt: Wo zum Henker finde ich einen Anwalt mit Fachgebiet „Galaktisches Recht“??? Die Fehlermeldung gibt’s hier zu sehen.

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Was verdienen eigentlich T-Mobile und Vodafone?

„In Journalistenkreisen herrscht die Meinung vor, wenn ein Unternehmen hohe Gewinne mache, dann könnte dies nur daran liegen, dass es seine Kunden über den Tisch zieht“, schreibt Tim Harford in seinem erstklassigen Buch „Ökonomics – Warum die Reichen reich sind und die Armen arm“

Das Problem: Preisspannen und Gewinne der Unternehmen lassen sich nicht so einfach ermitteln. Viele Firmen verweigern uns Journalisten die Auskunft, wenn man nach deren Margen und Gewinnen fragen. Umso interessanter ist es, wenn man herausbekommt, wie viel Luft in den Preisen der Unternehmen wirklich steckt.

Zum Beispiel bei den deutschen Mobilfunkfirmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2. Eine junge Firma wertet online deren Einzelverbindungsnachweise aus, die mit den Monatsrechnungen verschickt werden. Anhand des Telefonverhaltens berechnet die unabhängige Firma dann, wie günstig oder teuer der gewählte Tarif ist. Ein empfehlendswerter Service, der in wenigen Minute Klarheit über die Handykosten bringt.

Die Firmen-Gründer gingen zum Start des Dienstes davon aus, dass etwa 30 Prozent der Handy-Nutzer im falschen Tarif stecken, sprich für ihrer Handygespräche, SMS und Datenfunk zu viel bezahlen müssen. Nach ersten Schätzungen wären das rund 9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr zuviel für die deutschen Mobilfunker. Nach drei Wochen zeigt sich, dass knapp 50 Prozent der Leute, die den Online-Preisvergleich bisher genutzt haben, im falschen Tarif stecken. Sprich: Die Hälfte aller 80 Millionen Handynutzer in Deutschland zahlen zuviel. Wieviel genau das ist, wird die Firma in den nächsten Wochen ermitteln.

Besonders die beiden großen Anbieter langen kräftig hin:

So zahlen 70 Prozent aller T-Mobile-Kunden,

62 Prozent aller Vodafone-Kunden,

laut dem Preisvergleicher eine unnötig hohe Handyrechnung.

Bei E-Plus sind es immerhin noch 42 und bei o2 44 Prozent.

Und sogarein Viertel alle Kunden von Discount-Anbietern (25 Prozent) liegen ebenfalls falsch und zahlen mehr, als sie müssen.

Ausgewertet wurden bisher rund 1800 Einzelverbindungsnachweise.
Wir werden über dieses spannende Thema laufend weiter berichten. Schreiben Sie uns doch inzwischen Ihre Erfahrungen mit teuren Handyverträgen und absurd hohen Horror-Tarifen.

Mein Blog kann sprechen – Podcasts ohne Aufwand erstellen

Wer seine Internetseiten und/oder Blogs vertonen und so Podcasts herstellen möchte, kann das entweder aufwendig selbst tun oder die Arbeit www.talkingtext.de machen lassen.

Und das geht erstaunlich schnell: Registrieren, Konvertieren, Talking (so steht’s auf der Webseite). Wie sich die Umwandlung von Text zu Sprache anhört, können Sie anhand der am Ende des jeweiligen Beitrags stehenden „play“- bzw. „download“-Links testen und nutzen (ein paar Minuten nach Veröffentlichung dieses Beitrages).

Das System befindet sich noch in der beta-Phase, dazu der Anbieter EOS Uptrade GmbH & Co. OHG: „Unser Angebot ist ein lernendes System! Es gibt immer mal wieder das eine oder andere Wort, das unsere „Sprecher“ noch nicht aussprechen können.“ Erfreulich ist, dass die Nutzung zunächst kostenlos ist und zwischen männlicher und weiblicher Stimme gewählt werden kann.

Kleiner Haken: Bislang funktioniert die superschnelle Umwandlung von Bloginhalten zu Text nur bei Wordpress-Nutzern, weitere Blogsoftware wird aber wohl künftig unterstützt. Schon jetzt kann jede Webseite mit einem 1.000 Zeichen langen Text „besprochen“ werden.

Fazit: Einfache Anwendung, kostenlos und dazu noch in ausreichender Qualität. Wir von medien-kasper.de werden das Plugin auf Herz und Nieren prüfen und freuen uns auf Ihren Kommentar zum Thema!

eBay-Magazin: Wirklich unabhängig und unvoreingenommen?

Seit heute also gibt es das „eBay-Magazin“ am Zeitungskiosk zu kaufen. 2,50 Euro muss der geneigte Leser berappen und bekommt dafür 140 Seiten, die sich unter anderem mit den Themen „Sicher einkaufen“, „Richtig anpreisen“ und einigen praktischen Tipps mehr zum Handeln bei eBay beschäftigen. Der Untertitel dieses neuen Gruner + Jahr-Magazin lautet übrigens „Die unabhängige Zeitschrift für die eBay-Community“.

Tja und genau an dieser Stelle könnte es einen etwas schalen Eindruck geben. Der durch das Editorial noch verstärkt wird, denn da heißt es:

Weil wir nicht zu eBay gehören, sondern eine unabhängige Redation in Europas größtem Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr sind, schreiben wir offen und unvoreingenommen über den aufregendsten Marktplatz der Welt.

Mhm. Offen und unvoreingenommen – und dann eBay den aufregendsten Marktplatz der Welt nennen?! Bedenklich, bedenklich, liebe Kollegen. Und ist eBay als Namensgeber nicht auch an eventuellen Gewinnen beteiligt? Risiko gleich Null – Marketingeffekt wieder einmal groß. Glückwunsch ans eBay-Marketing. Wirklich positiv an diesem Heft ist, dass Auktionen endlich mal ein Gesicht bekommen. Denn die Geschichten und Personen rund ums Kaufen und Verkaufen stehen im Vordergrund. Und das ist ’ne Sache, die eBay online (noch) nicht umsetzt – warum eigentlich nicht? Und wer sich noch nicht so ausführlich mit eBay auseinandergesetzt hat, erfährt hier nen paar interessante und auch lustige Fakten.

Wer steckt eigentlich hinter www.ausgewaehlter-gewinner.de?

AUSGEWÄHLTER oder MÖGLICHER Gewinner?

oder: Woher haben Sie eigentlich meine Daten?

Kaum eine Gelegenheit lässt zurzeit eine Firma ungenutzt, um per Popup und in Werbebannern auf seriösen Webseiten auf sich und eine Gewinnchance aufmerksam zu machen: www.ausgewaehlter-gewinner.de. Die URL mit der penetranten Werbung und der Countdown-Uhr ist auf den Geschäftsführer Albrecht Harnier von der Firma Planet 49 GmbH in Bad Soden eingetragen. Diese gibt auf Ihrer Webseite folgendes an: „PLANET49 refinanziert sich über die Vermarktung von Werbeflächen und über Datenbank-Marketing-Lösungen für zielgruppengenaues One-to-One-Marketing.“

Hinter Planet 49 steckt einer der größten Adressenhändler Deutschlands (geschätzter Gewinn 2006: rund 13 Millionen Euro), der mit Gewinnspielen mit wenig Chanchen günstig an Adressdaten kommt, die er anschließend an die „One-to-one Marketing-Abteilungen“ (Callcenter ) großer Unternehmen weiter verkauft. Und so steht unter den persönlichen Angaben, die man bei Planet 49 machen muss, der folgende und folgenschwerer Satz:

Bitte informieren Sie mich im Falle eines Gewinnes umgehend per E-Mail oder Telefon oder Post und senden Sie mir auf diesem Weg auch interessante Angebote vom Gewinnspiel-Veranstalter, seinen Partnern und Sponsoren.

Unter Sponsoren werden von Planet 49 folgenden Firmen genannt:

neckermann.de GmbH
Conrad Electronic SE
Tchibo direct GmbH
Unister GmbH
Sparhandy GmbH & Co. KG
Centurixx GmbH
EBCS Ltd.
gewinnspiel.info
SuperComm Data Marketing GmbH
sg media + marketing GmbH & Co. KG
JHT GmbH

Die sg media + marketing GmbH wirbt damit, „durch eigene Projekte und exklusive Partnerschaften generieren wir monatlich bis zu 25.000 neue Telefonmarketing-Kontakte.“

Das bedeutet: Wer gern mal am Samstag mittag von einem freundlichen Call-Center-Mitarbeiter zuhause angerufen werden will, der einem irgendwas etwas ganz Tolles verkaufen will oder wer gern Dutzende von Werbe-E-Mails am Tag bekommt, trage sich hier ein. Allen anderen möchte ich von einer Teilnahme dringend abraten.
Doch wie heißt es doch auf der Webseite von SG media + marketing so treffend:
„Die Neugier ist manchmal mächtiger als die Klugheit“.

„Vodafone gibt es auch in England“

ok, das ist jetzt nicht so die News. Kann man wissen. Das Vodafone ein BRITISCHER KONZERN ist. Der durch die Übernahme von Mannesmann in Deutschland mit anschließenden Prozessen gegen Esser, Ackermann und Co. monatelang in allen Medien war. Trotzdem informiert uns die Vodafone Pressestelle, die beste Pressestelle der Welt, über diese, ähem nicht ganz neue News. Knallhart nachgefragt: Gibt es die Queen eigentlich auch in England?

Offener Brief an Ivan Basso & Verleihung des Medien-Kaspers

Bravo, Ivan!

Endlich hast du dein regelmäßiges Blutdoping gestanden! Doch was mussten deine die Radsportfans bis dahin nicht alles ertragen: Am Tag vor der letztjährigen Tour de France bist du aus dem Team gestrichen worden, hast dich von CSC getrennt – oder war es andersherum? – und wurdest vom Nationalen Italienischen Olympischen Komitee (Coni) aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Das hast du gut hinbekommen. Und jetzt gestehst du Coni gegenüber dein Doping? War der Druck wohl doch zu groß, oder? Erhoffst dir wohl eine Belohnung für dein Geständnis? Eine Minderung des Strafmaßes von zwei Jahren Sperre auf nur ein Jahr wurde dir anscheinend in Aussicht gestellt. Auch wenn dich dein neues Team Discovery ebenfalls gefeuert hat, wirst du wohl – leider – wieder sehr schnell einen neuen Arbeitgeber finden.

Nicht nur du solltest dich für den Betrug an dir selbt und den Sportfans schämen, sondern auch Coni. Dieses Verhalten ist verlogen und inkonsequent – wer glaubt denn schon, dass nach der Sperre plötzlich ein durch und durch ehrlicher Sportler auf dem Sattel sitzt?

Der Medien-Kasper der Woche geht an Ivan Basso, dem Mann, der plötzlich „singt“ um selber nicht zu hart bestraft zu werden.

Ein enttäuschter Radsportfan

P.S.: Siehe auch vorherigen Beitrag zum Thema Doping

Karstadt und Axel Springer wollen Amazon an den Kragen

Die Financial Times Deutschland schreibt in der heutigen Print- und Onlineausgabe über den Start der gemeinsamen Handelsplattform von KarstadtQuelle und Axel-Springer-Verlag: MyBy (oh wei) soll im Herbst an den Start gehen. Angeblich sehe man Amazon als Hauptkonkurrenten – interessante Ansicht eines Unternehmens, das seit Monaten herumkaspert und nicht einmal gestartet ist. Die Domain myby.de ist übrigens auf die Myby GmbH & Co. KG in Düsseldorf registriert, die technische Verantwortung liegt beim Axel-Springer-Verlag.

Ganz besonders interessant ist die Aussage, dass „der Einkauf der Waren aufgrund anderer Anforderungen des Onlinehandels möglichst unabhängig von KarstadtQuelle agieren“ solle, sagte wohl Springer-Geschäftsführer Walter Gunz der FTD. Das ist recht unglaubwürdig, sind doch durch die schiere Größe von KarstadtQuelle äußerst attraktive Einkaufskonditionen möglich – und die möchte man sich entgehen lassen? Wohl kaum. Bleibt abzuwarten, ob und wann das Projekt startet und wie Amazon darauf reagiert.

Verkünder der frohen Botschaft: Der Technical Evangelist

Wie vermessen manche Unternehmen bei der Wahl der Berufsbezeichnung ihrer Mitarbeiter sind, zeigt aktuell das Beispiel Amazon: Im firmeneigenen Affiliate-Blog wird Mitarbeiter Jeff Barr als Technical Evangelist angekündigt. Er soll zum Thema „Web Services“ referieren – und die eigenen Produkte „über den Klee loben“ bzw. die Sinnhaftigkeit vorstellen.

Denn was sollte jemand sonst tun, der sich als „Evangelist“ – wenn auch technischer Natur – bezeichnet, als eine frohe Botschaft verkünden? Bei Wikipedia steht denn auch: „A technical or technology evangelist is a person whose job or role is to promote technologies, usually new technologies.“

Besondere Gläubigkeit sagt man mir nicht unbedingt nach, dennoch sollte man den Kirchenleuten die Verkündung froher Botschaften überlassen, und Lobbyarbeit von Unternehmen einfach weiterhin als solche bezeichnen. Lobbyarbeit!