Spätestens nach dem Fuentes-Doping-Skandal kurz vor der Tour de France im vergangenen Jahr dachten die Radsport-Fans in aller Welt, dass es nicht schlimmer kommen könne und der große Doping-Sumpf endlich trockengelegt werden würde. Leider waren Radsportverbände, Teams, Fahrer und Veranstalter wieder einmal konsequent inkonsequent – es scheint sich nichts zu ändern, der Wille endlich mal richtig durchzugreifen fehlt bei allen Beteiligten. Schade.
Und jetzt verlieren wir Radsportfans auch noch die Helden unserer Jugend (na ja, ist zumindest für Menschen um die 30 richtig). Mit dem „Enthüllungsbuch“ des ehemaligen Team Telekom-Masseurs Jef D‘hont werden Bjarne Riis und Jan Ullrich, ja fast das gesamte Team Telekom, des dauerhaften, gut strukturierten Dopings beschuldigt. Wenigstens Erik Zabel scheint eine einigermaßen weiße Weste zu haben (Danke, Erik). D‘hont hat dem Treiben wohl Jahre lang nicht nur zugesehen, sondern das Zeug auch besorgt und den Fahrern verabreicht. Doch wie glaubwürdig ist jemand, der selbst wegen Dopings verurteilt wurde? Ich fürchte, dass da endlich jemand die Wahrheit öffentlich machen und sich sein schlechtes Gewissen von der Seele reden wollte. Fürchte? – Ja, wegen des Verlusts der Sportidole, dem Spaß an einer tollen, spannenden Sportart, etc. In den kommenden Monate und Jahren werden sich einige Gerichte mit diesem Thema beschäftigen und den Sachverhalt hoffentlich klären und für Verurteilungen und Freisprüche sorgen.
Vielleicht sind die Beteiligten endlich einmal Konsequent genug für grundlegende Änderungen: verschäfte Kontrollen, harte Strafen, gar den Verzicht unerlaubter Mittel? Die Realität wird uns wohl leider wieder enttäuschen, die Doping-Touren gehen munter weiter…
Weitere Informationen zum Buch von Jef D‘hont finden Sie bei den Kollegen des Spiegel unter http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,480042,00.html