Sie planen eine Presseveranstaltung, der ein echter Knülller werden soll? Ein tolles Event, für eine stolze Stange Geld, nach dem es Schagzeilen und Berichte nur so hageln soll? Beachten Sie bitte einige wichtige Punkte, die in der Praxis leider auch namhaften Firmen immer wieder Schwierigkeiten bereiten. Zum Beispiel in dieser Woche einer Handyfirma in Hamburg…
1. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt – Natürlich können Sie am Sonntag vormittag Ihre Neuheiten verkünden. Es wird nur niemand kommen. Auch am Nachmittag sind Journalisten oft verhindert, sie müssen nämlich arbeiten und Ihre Texte abgeben. Der richtige Zeitpunkt ist abends oder morgens. Nur eine Kleinigkeit, die aber über einen vollen Saal oder viele leere Sitze entscheiden kann.
2. Stellen Sie sich den Gästen vor – Klar, in der Firma kennt man Sie, ihr Ruf klingt wie Donnerhall durch die Kantine. Nur außerhalb kennt man sie eher nicht. Zücken Sie daher hemmungslos Ihre Visitenkarte und verkünden Sie, für was Sie in der Firma zuständig sind. Besonders, wenn Sie neu in der Firma sind und Leuten gegenüberstehen, die schon seit Jahren über Ihre Firma berichten, kommt das gut an. Keine Hemmungen, Sie werden staunen, wie leicht das geht. You CAN DO it!
3. Ein Event ersetzt keine News – Haben Sie wirklich etwas Neues zu verkünden? Oder wollen Sie nur mal ein bisschen mit der Presse quatschen und mit Ihren ausgesprochen hübschen Kolleginnen protzen? Überlegen Sie sich vorher, ob der Newswert den Aufwand rechtfertigt oder ob der Aufwand eher die Nicht-News kaschieren soll. Auch die schönste Party ist kein Nachrichtenfaktor, außer vielleicht für notleidende Yellow-Press-Kollegen.
4. Sagen Sie etwas Nettes über die Stadt, in der sie zu Gast sind – Natürlich ist Ihre Hometown die Allerschönste. Egal ob sie nun München, Altötting, Bochum oder Eisenhüttenstadt heißt. Wenn Sie trotzdem ausgerechnet in Hamburg aufschlagen müssen, denken Sie sich halt etwas aus. Bemerkungen über das ewig schlechte Wetter oder die doofen, schwankenden Schiffe erwecken bei Ihren Gästen sonst schnell den Eindruck, dass Sie ein unhöflicher Depp merkwürdiger Mensch sind.
5. Achten Sie darauf, Ihre Gäste nicht als Diebe zu verdächtigen. Klar, sind alle Journalisten auf neue Geräte scharf. Das gehört nämlich zu Ihrem Job, diese zu testen oder dem Leser vorzustellen. Verschwindet während der Veranstaltung ein Testgerät, bleiben Sie locker. Und vermeiden Sie es unbedingt, einzelne Gäste nach dessen Verbleib zu befragen. Sonst tappen Sie schon wieder in die Deppen-Falle.
6. Beenden Sie die Veranstaltung stilvoll. Die Party nach der Präsentation ist wichtig für Kennenlernen, Social Networking und so. Wenn Sie einen festen Zeitpunkt haben, an dem Sie diese beenden wollen, teilen Sie dies einfach in der Einladung mit. Nur drängen Sie nicht plötzlich und ohne Vorwarnung zum Aufbruch, weil Sie einen Flieger bekommen müssen oder ihr Schiff nicht ohne Sie in See sticht. Das wirkt leicht unhöflich.
7. Last, but not least: Sagen Sie Journalisten NIE, was Sie schreiben sollen. Sorry, aber das ist nicht Ihr Job. Die meisten Journalisten reagieren darauf hoch allergisch. Liefern Sie alle Fakten, Bilder, Grafiken etc., aber sagen Sie einem schreibenden Kollegen auf gar keinen Fall, was er zu tun und zu lassen hat. Er schreibt nämlich nicht für Sie und die Marketing-Abteilung Ihres Unternehmens, sondern für seine Leser. Mache werden von ihnen Auftraggebern sogar dafür bezahlt. Und die finden vielleicht Ihre News, dass Sie die Nummer eins sind und ihr Laden der Beste weltweit, nicht ganz so spannend wie sie…
Wenn Sie diese Tipps beachten, kann kaum noch etwas schiefgehen. Und Sie werden sich wundern, wie schnell sich die Journalisten dankbar um Sie scharen werden.
Nächste Woche: Wie man als Journalist seinen Mitmenschen so wenig wie möglich auf den Geist geht.
