Medien-Kasper

Wer zieht die Strippen, wer mimt den Kasper? In Web 2.0, Print, TV, Mobiles & Werbung. Wunderbare Medien-Welt…

Sieben praktische Tipps für eine gelungene Presse-Veranstaltung

Sie planen eine Presseveranstaltung, der ein echter Knülller werden soll? Ein tolles Event, für eine stolze Stange Geld, nach dem es Schagzeilen und Berichte nur so hageln soll? Beachten Sie bitte einige wichtige Punkte, die in der Praxis leider auch namhaften Firmen immer wieder Schwierigkeiten bereiten. Zum Beispiel in dieser Woche einer Handyfirma in Hamburg…

1. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt – Natürlich können Sie am Sonntag vormittag Ihre Neuheiten verkünden. Es wird nur niemand kommen. Auch am Nachmittag sind Journalisten oft verhindert, sie müssen nämlich arbeiten und Ihre Texte abgeben. Der richtige Zeitpunkt ist abends oder morgens. Nur eine Kleinigkeit, die aber über einen vollen Saal oder viele leere Sitze entscheiden kann.

2. Stellen Sie sich den Gästen vor – Klar, in der Firma kennt man Sie, ihr Ruf klingt wie Donnerhall durch die Kantine. Nur außerhalb kennt man sie eher nicht. Zücken Sie daher hemmungslos Ihre Visitenkarte und verkünden Sie, für was Sie in der Firma zuständig sind. Besonders, wenn Sie neu in der Firma sind und Leuten gegenüberstehen, die schon seit Jahren über Ihre Firma berichten, kommt das gut an. Keine Hemmungen, Sie werden staunen, wie leicht das geht. You CAN DO it!

3. Ein Event ersetzt keine News – Haben Sie wirklich etwas Neues zu verkünden? Oder wollen Sie nur mal ein bisschen mit der Presse quatschen und mit Ihren ausgesprochen hübschen Kolleginnen protzen? Überlegen Sie sich vorher, ob der Newswert den Aufwand rechtfertigt oder ob der Aufwand eher die Nicht-News kaschieren soll. Auch die schönste Party ist kein Nachrichtenfaktor, außer vielleicht für notleidende Yellow-Press-Kollegen.

4. Sagen Sie etwas Nettes über die Stadt, in der sie zu Gast sind – Natürlich ist Ihre Hometown die Allerschönste. Egal ob sie nun München, Altötting, Bochum oder Eisenhüttenstadt heißt. Wenn Sie trotzdem ausgerechnet in Hamburg aufschlagen müssen, denken Sie sich halt etwas aus. Bemerkungen über das ewig schlechte Wetter oder die doofen, schwankenden Schiffe erwecken bei Ihren Gästen sonst schnell den Eindruck, dass Sie ein unhöflicher Depp merkwürdiger Mensch sind.

5. Achten Sie darauf, Ihre Gäste nicht als Diebe zu verdächtigen. Klar, sind alle Journalisten auf neue Geräte scharf. Das gehört nämlich zu Ihrem Job, diese zu testen oder dem Leser vorzustellen. Verschwindet während der Veranstaltung ein Testgerät, bleiben Sie locker. Und vermeiden Sie es unbedingt, einzelne Gäste nach dessen Verbleib zu befragen. Sonst tappen Sie schon wieder in die Deppen-Falle.

6. Beenden Sie die Veranstaltung stilvoll. Die Party nach der Präsentation ist wichtig für Kennenlernen, Social Networking und so. Wenn Sie einen festen Zeitpunkt haben, an dem Sie diese beenden wollen, teilen Sie dies einfach in der Einladung mit. Nur drängen Sie nicht plötzlich und ohne Vorwarnung zum Aufbruch, weil Sie einen Flieger bekommen müssen oder ihr Schiff nicht ohne Sie in See sticht. Das wirkt leicht unhöflich.

7. Last, but not least: Sagen Sie Journalisten NIE, was Sie schreiben sollen. Sorry, aber das ist nicht Ihr Job. Die meisten Journalisten reagieren darauf hoch allergisch. Liefern Sie alle Fakten, Bilder, Grafiken etc., aber sagen Sie einem schreibenden Kollegen auf gar keinen Fall, was er zu tun und zu lassen hat. Er schreibt nämlich nicht für Sie und die Marketing-Abteilung Ihres Unternehmens, sondern für seine Leser. Mache werden von ihnen Auftraggebern sogar dafür bezahlt. Und die finden vielleicht Ihre News, dass Sie die Nummer eins sind und ihr Laden der Beste weltweit, nicht ganz so spannend wie sie…

Wenn Sie diese Tipps beachten, kann kaum noch etwas schiefgehen. Und Sie werden sich wundern, wie schnell sich die Journalisten dankbar um Sie scharen werden.

Nächste Woche: Wie man als Journalist seinen Mitmenschen so wenig wie möglich auf den Geist geht.

www.ausgewaehlter-gewinner.de hat noch nie eine Million Euro ausgeschüttet

Mit 40 Millionen Seitenaufrufen und über 4 Millionen Kundenadressen ist Planet49 .com einer der größten Gewinnspielanbieter im Internet. Das Unternehmen ködert mit Gewinnen, sammelt Adressen und verkauft diese persönliche Daten an andere Firmen. Der Rohstoff, mit denen Dutzende von Callcentern dann ihre berüchtigten „Outbound“-Gespräche starten. Die Ursache für Tausende von unerwünschten Werbeanrufe („cold calls“), sie findet sich hier.

Planet 49 ist mit „ausgewaehlter-gewinner“ einer der größten Werbetreibenden im Netz. Auch Nachahmer, die mit Traumreisen als Gewinn ködern, gibt es schon.

Das Online-Geschäft mit dem Millionengewinnen boomt. Die Sache hat nur einen Haken: es gab noch nie einen Haupt-Gewinner. Und ein Auto wird nur einmal im Jahr verlost.
Denn die Chancen auf einen Gewinn sind bei Planet49 sehr schlecht, die auf nervige Werbeanrufe dagegen sehr hoch.

Planet 49 wirbt massiv im Internet mit Popups, Countdown-Uhr und einem möglichen Gewinn, zum Beispiel einem Auto, als dessen Gewinner man angeblich ausgewählt wurde. Neben Werbung auf allen Freemail-Portalen taucht seit kurzem auch „ausgewählte Gewinner“ bei StudiVZ auf. Hinter der Werbung mit Countdown-Uhr und Gewinnspiel steckt Planet49, laut Eigenwerbung einer der größten „Adress-Produzenten“ Deutschlands. „Kernkompetenz ist die Adressgenerierung für Database-Marketing“, erklärt Planet 49 auf seiner Webseite. Monatlich entstehen, so die Firma, bis zu 200.000 Leads für Partner und mehr als eine Million Bannerklicks pro Monat.

Planet 49 wirbt direkt oder über Affiliates wie adbutler für Gewinnspiele wie „6 aus 49″, bei der Autos oder ein Millionengewinn in Aussicht gestellt wird. Ein gutes Geschäft, auch ohne Hauptgewinn. „Bisher wurde noch kein Millionengewinn ausgeschüttet“, erklärt Marko Reinbacher, Mitglied der Geschäftsleitung und Leitung Marketing bei Planet49. Dafür wurden bisher in fünf Jahren seit Bestehen der Firma ganze fünf Audi A3 verlost (Wert je ca. 30.000 Euro) . Genau ein Mittelklasse-Wagen pro Jahr. Eine extrem dünne Ausbeute bei bis zu 30.000 Spielen pro Tag. Dazu kommen Preise von Sponsoren, die Planet 49 gratis oder sehr günstig bekommt. Und Geldgewinne bis maximal 1.000 Euro. Gegen den Millionengewinn, so er denn jemals eintritt, ist die Firma laut Reinbacher versichert. Denn die Chancen stehen extrem schlecht, da tatsächlich sieben, und nicht sechs Zahlen aus 49 gezogen werden.

Planet 49 wurde 2001 von Geschäftsführer Albrecht von Harnier „als Wohnzimmergesellschaft“ in Frankfurt/Main gegründet. Der Umsatz der GmbH, die heute in Bad Soden sitzt, wächst Jahr für Jahr. Er liegt für 2006 laut Geschäftsführung „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“.

Die Firma gibt auf Ihrer Webseite an: „PLANET49 refinanziert sich über die Vermarktung von Werbeflächen und über Datenbank-Marketing-Lösungen für zielgruppengenaues One-to-One-Marketing.“ Die Daten werden an Firmen, die Callcenter betreiben, weiterverkauft. Seit drei Jahren wandern die Adressdaten in sechs firmeneigene Callcenter und werden überprüft. 7,5 Millionen Adressen wurden bisher bei Planet49 eingegeben. Viele Adresse stimmen jedoch nicht. Nach Überprüfung und dem Abgleich mit der Robinson-Liste bleiben immerhin noch 4 Millionen Adressen übrig. Das heißt, jeder zwanzigste Bundesbürger ist bei Planet 49 angemeldet, in der Hoffnung auf Autos und den Millionengewinn.

Auch wenn sich Planet49 nicht als Adresshändler, sondern eher als „Adress-Produzent“ sieht, können die Daten, die Planet49 generiert, auch gekauft werden. Zu TKP-Preisen zwischen 130 und 180 Euro. Der Verbraucherzentrale Hamburg sind solche Geschäfte seit langem suspekt. „Wir halten die Datenweitergabe für rechtswidrig, diese rechtfertigt eine Abmahnung“, erklärt Edda Costello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Der Verein geht seit Jahren gegen unseriöse Werber und Adressensammler vor. „Wir haben weit über 100 Firmen wegen illegaler Telefonwerbung abgemahnt“, so Costello, darunter auch Verlage oder Mobilfunkanbieter. Der Auslöser für die Werbeanrufe ist meist ganz harmlos und unverfänglich. Die Haken finden sich im „Kleingedruckten“.

Wer sich bei Planet49 als „möglicher Gewinner“ anmeldet, muss seine Adresse, E-Mail-Adresse und Telefonnummer angeben. Rechts auf der Site lockt der in Aussicht gestellte Gewinn: ein funkelnder Audi A3. Unter dem Feld für die Nummer der dezente Hinweis: „Ihre Telefonnummer dient der Gewinnbenachrichtigung“. Wer diese Daten nicht eingibt, kommt bei Planet 49 nicht weiter, denn „nur komplett ausgefüllte Formulare können gewinnen.“ Eine Eintragung bei Planet 49 gilt für die Firma und die Käufer der Adressen als Einwilligung (sog. Opt-in-Verfahren) für Werbung und Telefonanrufe. Verbraucherschützer bezweifeln die Rechtmäßigkeit und wollen die Firma abmahnen.

Unter den persönlichen Angaben, die man bei Planet 49 machen muss, steht der folgende Satz: „Bitte informieren Sie mich im Falle eines Gewinnes umgehend per E-Mail oder Telefon oder Post und senden Sie mir auf diesem Weg auch interessante Angebote vom Gewinnspiel-Veranstalter, seinen Partnern und Sponsoren.“ Noch schlimmer: Wer bei Planet49 als „ausgewählter Gewinner“ seine persönlichen Daten eingibt, wird gleich darauf aufgefordert, auch die E-Mail-Adressen von fünf Freunden einzugeben. Und auch gleich noch versichern, dass die Freunde informiert und einverstanden sind. „Ein opt-in für Dritte gibt es nicht. Dies halte ich für rechtlich bedenklich“, so Edda Costello von der Verbraucherzentrale.

Adbutler spricht sogar von einem „doppelten opt-in-Verfahren“ mit dem die Adressen von Planet49 abgesichert seien. Webseitenbetreiber verdient über Partner-Programme wie adbutler.de pro Lead 1,30 Euro, für die Vermittlung von kompletten Adressen für Gewinnspiele zahlt Planet 49 bis zu 2 Euro. Ein gutes Geschäft, das sich viele Betreiber nicht entgehen lassen, auch wenn sich einige gegen die offensive Werbung entscheiden und lieber auf Gewinn verzichten, wie die Adbutler-Geschäftsführung bestätigt: „Es gibt durchaus Webmaster, die Gewinnspiele bestimmter Anbieter aufgrund von negativen Erfahrungen oder ungünstigen Parametern (z.B. Doublettenabgleich findet über eine bestehende große Datenbank statt) nicht bewerben. Diese Haltung ist natürlich legitim, da jeder Webmaster mit seinen Werbeflächen den größtmöglichen Umsatz erzielen möchte.“
Den größtmögliochen Umsatz macht zur Zeit Planet49, mit dubiosen Gewinnspielen und schwunghaftem Adresshandel – allein 2006 rechnen Branchenkennnern mit rund 13 Millionen Euro Umsatz.

(Der Artikel wurde am 1.6.07 bei Adzine veröffentlicht.)
Weitere Infos über www-ausgewaelter-gewinner-de finden Sie hier.

|